Werte machen Schule GMR-Schüler zu Wertebotschaftern ausgebildet
06.02.2026 von Matthias Spanrad
Es riecht nach Kaffee und Filzstiften, auf den Tischen liegen Moderationskarten in allen Farben. „Toleranz“, „Mut“, „Gerechtigkeit“ – das sind die Wörter, die die Jugendlichen an diesem Tag auf die Karten schreiben. Wörter, die in einem Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft selbstverständlich sein sollten. Im Festsaal des Adolf-Kolping-Hauses in München, wo sonst große Feiern stattfinden, sitzen am vergangenen Dienstag 120 Schülerinnen und Schüler aus ganz Südbayern. Sie sind gekommen, um Wertebotschafter zu werden – Multiplikatoren für ein gutes Miteinander.
Es ist der Startschuss für ein besonderes Programm. Die Jugendlichen werden über Freiheit und Gerechtigkeit streiten, lernen, wie man Konflikte löst, ohne gleich aufzugeben, und vorleben, was es heißt, für Werte einzustehen. Die meisten sind zwischen 15 und 17 Jahre alt. Sie kommen aus Realschulen, Gymnasien und Mittelschulen. Was sie verbindet: Sie wollen, dass das Miteinander an ihren Schulen besser wird.
Das Projekt „Werte machen Schule“ gibt es seit knapp zehn Jahren. Es ist eine Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, entwickelt, um Jugendliche selbst zu Trägern von Demokratie und Toleranz zu machen. Doch heuer ist alles neu: Statt eines Wochenendseminars gibt es mehrere Treffen – analog und online. Zwischendurch bleibt Raum, um erste Projekte anzustoßen. Man wolle keine Moralapostel ausbilden, sagt Birgit Kleinhappl, Ministerialrätin und im Kultusministerium für das Projekt zuständig. „Es geht darum, dass junge Menschen Werte nicht nur lernen, sondern leben – und weitergeben können“, erläutert sie am Dienstag. Durchgeführt wird das Programm vom Kultusministerium in Zusammenarbeit mit dem JFF, einem Münchner Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis.
Deshalb stehen auf dem Lehrplan der Ausbildung keine trockenen Definitionen, sondern Szenarien aus dem echten Schulalltag: Was tun, wenn jemand im Klassenzimmer beleidigt wird? Wie steht man für seine Werte ein, wenn sich die Clique über jemanden lustig macht, der anders ist? Welche Projekte lassen sich umsetzen, um auch schon mit Fünftklässlern tiefergehend über Werte zu sprechen? Die Jugendlichen arbeiten in Gruppen, spielen Rollenspiele und tauschen sich aus. Erste Ideen für die Schule zu Hause entstehen. Und: Jede Gruppe erhält vom Ministerium einen blauen Wertekoffer mit Materialien für die Umsetzung an der Schule.
Für das Gymnasium Röhrmoos sind Adian und Azra, beide aus der 8. Klasse, dabei. Ihnen hat es am Dienstag gefallen. „Es war heute sehr informativ“, bilanziert Adian auf dem Heimweg in den Landkreis Dachau, gerade der Austausch mit Gleichaltrigen zur Thematik habe sehr gutgetan. „Ich habe beim Heimfahren viel nachgedacht“, erzählt auch Azra. „Und mir sind sofort Ideen gekommen, wie wir das Thema Werte gewinnbringend in den Schulalltag einbringen können.“ Lehrer Matthias Spanrad, der die beiden begleitet hat, zieht ebenfalls ein zufriedenes Resümee. Sehr engagiert seien die beiden Achtklässler. „Es war sehr interessant zu beobachten, wie ihnen die Thematik und Umsetzungschancen im Laufe des Tages immer mehr bewusst wurde.“
Eines ist aber auch klar: Die Lehrkräfte sind in diesem Projekt mehr Begleiter als Moderatoren. „Die Impulse sollen klar von den Schülern ausgehen“, stellt Ministerialrätin Kleinhappl deutlich heraus. „Sie sollen Begleiter sein, keine Kapitäne.“
Das Kultusministerium sieht das Programm derweil als Teil einer größeren Strategie. Angesichts von Populismus, digitaler Radikalisierung und wachsender Resignation unter Jugendlichen soll Wertebildung mehr sein als ein Fachinhalt – nämlich eine Haltung. Dass dieses Ziel erreichbar ist, zeigen die Reaktionen der Schulen und insbesondere der Jugendlichen selbst. Viele, die bereits damit gearbeitet haben, etwa Lehrerin Katrin Flexeder aus Passau, berichten von spürbaren Veränderungen im Klima der Klassengemeinschaft, von neuen Impulsen, Eltern von mehr Offenheit im Gespräch.
Am Ende des langen Tages im Münchner Kolping-Haus sitzen alle noch einmal zusammen im prachtvollen Festsaal. Viel ist an diesem Tag mitten in München auf den Weg gebracht worden, doch alle gehen mit einer klaren Botschaft nach Hause: Werte müssen Schule machen. Unbedingt.
Weitere Infos zum Projekt gibt's auf https://www.wertebildung.bayern.de!