Sommer in Franken Klassen 5b und 5d verbringen tolle Woche in Rothenburg
26.06.2026 von Matthias Spanrad
Es ist ein flirrend heißer Juninachmittag am Ufer der Tauber. Wo sonst das seichte Gewässer beschaulich an den Hängen der mittelfränkischen Postkarten-Idylle vorbeizieht, herrscht an diesem Tag emsiges Treiben. Dutzende Hände greifen nach Steinen, schleppen Geäst herbei und schichten strategisch klug Barrieren auf. Das Ziel: ein eigener, gemeinsamer Staudamm. Was nach einem klassischen Kindheitsabenteuer klingt, ist Teil des ersten Schullandheims am Gymnasium Röhrmoos.
Für die Klassen 5b und 5d ging es in dieser Woche auf eine Reise, die für die meisten der elf- und zwölfjährigen Schülerinnen und Schüler eine echte Premiere darstellte, für manchen es die erste mehrtägige Klassenfahrt überhaupt dar. Dass die Wahl dabei auf die Jugendherberge in Rothenburg ob der Tauber fiel, erwies sich als Glücksfall.
Trotz der drückenden Sommerhitze, die das Thermometer dieser Tage fest im Griff hatte, zeigte sich die Reisegruppe aus Röhrmoos unbeeindruckt. Das weitläufige Areal rund um die Jugendherberge wurde kurzerhand zum sportlichen Epizentrum erklärt; wann immer das Programm eine Pause zuließ, wurde unermüdlich gespielt, Fußball, Volleyball, manche Wasserschlacht sorgte für Abwechslung.
Das Kulturprogramm der Woche war dagegen eine perfekte Mischung aus Bewegung und historischer Spurensuche. Ein Höhepunkt: der schweißtreibende Aufstieg auf den Rothenburger Rathausturm. Belohnt wurden die Klassen mit einem weiten Blick über die historischen Dächer der Stadt, bevor es zur Abkühlung an einen Wasserspielplatz ging – ein strategisch notwendiger Zwischenstopp im hochsommerlichen Ablaufplan. Auch das weltberühmte Kriminalmuseum stand auf dem Programm, wo die Fünftklässler fasziniert in die düsteren Kapitel der Rechtsgeschichte eintauchten und eine Ralley durchliefen. Ereignisreich war auch die Tour rund um die berühmte Rothenburger Stadtmauer: Diese umschließt fast vollständig den historischen Kern und kann auf mehreren Metern Höhe auf fast drei Kilometern begangen werden.
Was wäre ein Aufenthalt im Tourismus-Magneten Rothenburg ohne das obligatorische Traditionsgebäck? Viele der Kinder wagten das kulinarische Experiment und testeten die berühmten „Rothenburger Schneebälle“ – jene mächtigen, in Puderzucker oder Zuckerguss gehüllten Mürbeteigkugeln, die hier an fast jeder Ecke aus den Schaufenstern grüßen. Derweil füllten sich die Taschen der Schüler mit kleinen Andenken: Souvenirs für Eltern und Geschwister daheim, die akribisch nach Geschmack und Budget ausgewählt wurden.
Den atmosphärischen Höhepunkt hob sich die Reisegruppe für den Mittwochabend auf. Als die Hitze des Tages langsam wich und sich die Stadt in das milde, goldene Licht des Sommeruntergangs getaucht hatte, zog die Gruppe mit der lokalen Gästeführerin Bettina Fischer los. Abseits der sonst üblichen Touristenströme verstand es Fischer, die alten Mauern und kopfsteingepflasterten Gassen zum Leben zu erwecken.
Als die beiden Klassen am Freitag die Heimreise nach Röhrmoos antraten, hatten sie nicht nur die Souvenirs im Gepäck, sondern auch ein Stück Schulgeschichte geschrieben. Für das neu gegründete Gymnasium war diese Woche der Beweis, dass Gemeinschaft nicht nur im Klassenzimmer entsteht, sondern vor allem dort, wo man gemeinsam Staudämme baut und im Sonnenuntergang Geschichte bestaunt.